Die falsche Freundin
 

Auf Bauer Schultheiss Hof lebten viele Tiere: Kühe, Schweine, Hühner, Hähne,
Enten, Katzen und ein Hofhund.
Der Bauer hatte große Felder, die er mit dem Traktor bewirtschaftete, Knecht Josef
war für die Tierhaltung und Pflege zuständig.
Die Magd Hanna sorgte fürs leibliche Wohl des Bauern und des Knechtes.
Unweit vom Hof, auf einem Felsen der von hohen Bäumen umwachsen war, hatte ein
Adlerpaar seinen Horst gebaut.
Bis zur Brutzeit sollte es nicht mehr lange dauern, auch nicht, die der Hühner und
Enten, auf dem Hof von Bauer Schultheiss. Denn sie brüteten alle im Frühling.
Oftmals in der Woche, kreuzte ein Marderweibchen den Weg zum Hof und blickte
prüfend zum Federvieh.
Als die Brutzeit näher rückte, besuchte das Marderweibchen täglich die Hühner und
Entenfamilien, um sie zu warnen: “Gebt acht, das Adlerpaar brütet bald, ihr Nest
haben sie schon fertig gestellt und wenn Ihr nicht wachsam seid, dann habt Ihr nicht
lange Nachwuchs.
Das Federvieh bedankte sich für die gutgemeinte Warnung
“Frau Marder, es ist gut zu wissen eine Freundin zu haben, die uns vor solchem
großen Unglück bewahren möchte.”
“Ach, ihr Lieben, ich bekomme auch bald meine Babys und kann die Ängste einer
Mutter nachempfinden.”
Die Kühe, Schweine und Hähne sprachen: ”Wenn wir alle unsere Augen offenhalten,
dann wird unserem Nachwuchs nichts geschehen. Poldi, unser Hund ist zwar schon
alt aber für diesen Fall, würde er sich noch selbst übertreffen!”
Frau Marder sagte nichts mehr dazu und ging heim.
Das Adlerpaar beobachtete die Tiere auf dem Hof. Das Weibchen stieß ihn an:
“Hör mal, Eduard! Die Hühner und Enten vom Bauern Schultheiss müssten doch
auch bald brüten, hoffen wir dass alles gut geht.”
Wenig später legten sie alle ihre Eier in die Nester.
Es war Frühling geworden, die Vögel sangen ihre Lieder, und die ersten
Schmetterlinge, Bienen ind Hummeln, kamen aus ihren Nstern und Stöcken um den
ersten Nektar zu kosten.
Frau Marder schaute mal wieder bei Familie Ente und Huhn rein und berichtete stolz
und freudig, dass sie Mama geworden war.
“Wann ist es denn bei euch soweit?”, fragte sie neugierig. “Oder bekommt ihr dieses
Jahr keinen Nachwuchs?”
“Oh, doch, unser Kleinen lassen sich noch Zeit, wenn es wärmer wird dann
schlüpfen sie schon. Bis jetzt ist noch keines im Ei geblieben.” antwortete die Ente
lachend.
Frau Marder nickte zustimmend, und warnte nochmals: “Macht es gut und passt auf
euch auf!”
Das Adlerweibchen saß bereits auf ihren Eiern, das Männchen brachte ihr Futter
damit sie bei Kräften bleibt.
Danach flog der Adler wieder seine Runden und hörte vom Hof des Bauern, freudiges
Gegacker und Geschnatter.
Da wusste er, bei den Hühnern und Enten waren die Küken geschlüpft.
Sofort flog er zurück zu seinem Horst, hörte von weitem das Geschrei seiner
Jungadler und wie stolz er war, Vater von drei gesunden Adlerkindern zu sein.
Seiner Frau wusste er von der Neuigkeit berichten: ”Unten auf dem Hof, sind die
Küken geschlüpft und nun sich wir alle glückliche Eltern.”
Genau an diesem Tag, kam die Mardermutter wieder zu Besuch, und betrachtete
neugierig die Hühner und Entenküken. ”Ach wie drollig, ach wie süß!” Sie konnte
ihren Blick nicht von ihnen lassen.
Dann sahen sie den Adler am Himmel seine Kreise ziehen und gerieten gleich in
Panik. “Jetzt sind auch die Jungadler geschlüpft.”
Alle Tiere schrien durcheinander, selbst der alte Poldi wurde nervös und bellte.
“Seht ihr, ich habe euch gewarnt, bringt schnell eure Küken in Sicherheit!”, rief die
Mardermutter.
Derweil flog der Adler wieder zu seinem Horst und fragte seine Frau: “ Kannst du
mir sagen, warum Mutter Marder sooft auf dem Schultheisshof zu sehen ist?
So viel ich weiß, hat die doch auch Junge. Sie sollte sich lieber um ihre Kinder
kümmern, als spazieren zu gehen.”
“Eduard, darüber habe ich mich auch gewundert, welch seltsame Freundschaften es
doch auf der Welt gibt.”
Tage vergingen, und die Küken sind größer und kräftiger geworden, wieder kreiste
der Adler am Himmel, um nach Futter für seine Jungen Ausschau zu halten.
Er sah, wie die Küken ohne Aufsicht über den Hof spazierten, während die Kühe, die
Schweine, und der Hund ihr Mittagsschläfchen hielten. Enten und Hühner
unterhielten sich derweil angeregt im Stall. Alles war ruhig, keiner dachte an etwas
schreckliches.
Die Küken wurden schon eine ganze Weile beobachtet aber nicht nur von dem Adler,
sondern von jemand anderem.
In einem blitzschnellen Tempo stürzte sich ein Tier auf die Küken, aber im selben
Moment schoss der Adler lautlos vom Himmel. Das Federvieh beendete abrupt ihr
Schwätzchen, auch der Mittagsschlaf der übrigen Tiere war vorbei. kreischt und das
Federvieh hatte sein Schwätzchen beendet, der Mittagschlaf der übrigen Tiere war
vorbei.
Der Adler hatte sich im Genick des Tieres festgekrallt.
Was alle sahen aber und keiner glauben wollte, die Mardermutter hatte versucht,die
Küken als Futter für ihre Jungen zu erbeuten. Doch der Adler hatte ihnen das Leben
gerettet.
Die Tiere waren wütend und zornig, ihre Stimmen überschlugen sich:
“Wie schlecht du bist! !nsere Freundschaft und Vertrauen hast du dir erschlichen!
Hast uns getäuscht und betrogen!”
Jetzt weinte die Mardermutter: “Ich brauche doch Essen für meine Kinder.”
“ Pfui, die Adler wolltest du verdächtig machen! Und wir sind auf dich herein
gefallen. Du wärest weiterhin auf unseren Hof gekommen, uns vielleicht noch
getröstet weil wir unsere Kinder verloren hätten. Deshalb hast du uns die Adler als
Feind einreden wollen!”
“So, nun verschwinde und lasse dich hier nie mehr sehen!”
Die Mardermutter verließ mit gesenktem Kopf den Hof und Enten und Hühner
konnten sich endlich beim Adler für die Rettung ihrer Küken bedanken.
“Man sollte sich von freundlichen Worten nicht täuschen lassen!”, sprachen
einstimmig das Federvieh, die Kühe, die Schweine und Poldi der Hund.