Das Geizhörnchen “Anton“
 

In einem Wald lebte einst eine große Eichhörnchen-Schar .
Sie waren einander gute Freunde, zogen gemeinsam ihre Kinder groß, und freuten
sich ihres Lebens.
Hirsche, Rehe und Hasen sahen ihrem lustigen Treiben gerne zu, wenn sie fangen
spielten und die Baumstämme rauf und runter liefen.
Bei ihnen kam nie Langeweile auf. Der Wald war voller Leben, aber am liebsten
spielten die Eichhornkinder mit Onkel Anton, denn er hatte immer Zeit.
Als der Sommer ging und der Herbst seinen Einzug hielt, warteten die Eichhörnchen
schon auf die Reife der Nüsse, Eicheln und Bucheckern, denn dann ist die Spielzeit
vorbei.
Sie mussten ihren Wintervorrat beschaffen und das bedeutete viel Arbeit für alle. Die
Mütter hatten es besonders schwer, weil sie nebenbei auch ihre Kinder beaufsichtigen
mussten.
Eichhörnchenmutter Lissy hatte es in diesem Jahr besonders hart getroffen, denn der
Vater ihrer Kinder kam eines Tages nicht mehr heim, er wird wohl einem Fuchs, oder
einem Busshard zum Opfer gefallen sein.
Onkel Anton hingegen hatte keine Familie und brauchte nur für sich zu sorgen, war
aber nicht bereit, der geplagten Eichhörnchenmutter zu helfen.
Alle waren emsig und fleißig bei der Arbeit. Für die arme Lissy war die viele Arbeit
zu schwer, sie kam regelrecht ins Schwitzen.
Onkel Anton war als erster fertig und hatte so viele Vorräte gesammelt, die er nie
alleine hätte verbrauchen können.
“Lieber zuviel als zuwenig.”, dachte er sich.
Jetzt lag er unter einem Baum, kaute auf einem Grashalm herum und sah den anderen
grinsend beim Sammeln der Baumfrüchte zu.
Die Eichhörnchen riefen ihm zu: ”Hör mal Anton! Willst du unserer Lissy nicht ein
wenig helfen oder ihre Kleinen beaufsichtigen? Sonst spielst du doch auch mit ihnen
und jetzt wo sie dich wirklich brauchen könnte, liegst du faul unterm Baum?”
“Nein lasst mich mal, jetzt bin ich erschöpft und außerdem sollte jeder selber für sich
sorgen. Wenn ich mit den Kindern gespielt habe, war es nur meine eigene
Langeweile!”, rief Anton.
Entsetzen machte sich breit: ”Oh, Anton wie gemein du bist! Wir gehören doch alle
zusammen und sind für einander da!”
“Nix da!”, meinte Anton. “Wir bewohnen zwar den selben Wald und essen die
gleichen Dinge, aber sind doch nicht einander verpflichtet!”
Jetzt bekam Anton Schimpfe: ”Wer redet hier von Verpflichtung? Du bist der einzige
Junggeselle hier im Wald und wurdest nur gebeten unserer Lissy behilflich zu sein,
weil ihre Kinder noch zu klein sind! Im nächsten Herbst wird sie es mit ihnen alleine
schaffen!”
Nun wurde Anton böse und schrie: ”Lasst mich endlich in Ruhe, ihr geht mir alle
mächtig auf die Nerven! Ich habe schwer gearbeitet, möchte jetzt schlafen und haltet
mir bloß eure Kinder vom Fell!”
Die Eichhörnchen konnte nicht glauben was sie von Anton zu hören bekamen.
Warum verhält er sich so kalt und hart?
Fortan wurde Anton von keinem Eichhörnchen mehr beachtet, zu tief war ihre
Enttäuschung.
Es wurde kälter, der erste Schnee fiel, die Nächte waren eisig, der Winter war da.
Jetzt kamen die Eichhörnchen seltener aus ihren Baumhöhlen, sie ernährten sich von
ihren Vorräten.
Da die Kleinen noch im Wachstum waren, hatten sie ständig Hunger und Lissy
machte sich schon Sorgen um ihre Vorräte. Deshalb versuchte sie so wenig wie
möglich zu essen, damit ihre Kinder satt würden.
Lissy wurde immer schwächer und dünner.
Inzwischen war es Mitte Januar und der Schneefall nahm kein Ende. Alle Tiere des
Waldes hatten Mühe Nahrung zu finden. Hirsche und Rehe wurden vom Förster
gefüttert. Im Schnee waren die Abdrücke der Füchse, deshalb mussten die
Eichhörnchen auf der Hut sein.
Um ihre Freundin Lissy und ihre Kleinen machten sie sich große Sorgen, denn sie
ließen sich gar nicht mehr blicken. Nicht einmal um einen “ Guten Morgen” zu
wünschen.
So beschlossen alle nachzusehen, ob ihnen etwas passiert war. Sie stellten sie sich
geschlossen unter den Baum, und riefen hoch: “Lissy, ist bei euch alles in Ordnung?”
Sofort streckten die Kleinen ihre Köpfchen aus der Baumhöhle: ”Unsere Mama ist
müde, sie will nicht essen, wir glauben sie ist krank!”
Da wussten die Eichhörnchen, sie hungert für ihre Kinder, weil sie zuwenig Vorräte
sammeln konnte und Anton ihr nicht helfen wollte.
Es gab nur eine Lösung: alle wussten etwas abgeben, vor allen Dingen Anton. Der
hatte so viel gesammelt. Ob er für Lissy und die Kinder auch etwas abgibt?
Egal wie, Lissy musste wieder zu Kräften kommen, denn der Winter war noch nicht
vorbei.
Also eilten sie davon, und sammelten alles ein, worauf sie verzichten konnten. Nur
Anton war nicht bereit zu teilen, worauf er nur noch Geizhörnchen “ Anton” gerufen
wurde. Sie schämten sich, diesen Anton zu kennen.
Langsam kam Lissy wieder zu Kräften und war ihren Freunden dankbar für deren
Hilfe, dabei brauchte nicht ein Eichhörnchen hungern.
Der Schnee taute, die Vögel kündigten mit ihrem Gezwitscher den Frühling an, für
die Eichhörnchenkinder begann wieder die schönste Zeit des Jahres.
Alle waren munter und wohlauf, nur Anton das Geizhörnchen war nicht zu sehen,
doch niemand kümmerte sich weiter darum, zu tief hatte er sie verletzt.
Bis eines Tages ein klägliches Jammern aus seiner Baumhöhle drang, und
ausgerechtet Lissy war die erste die sagte: ”Eigentlich müssten wir nachschauen, was
dem Anton fehlt!”
“Warum, hatte er dir und den Kleinen geholfen als er gebraucht wurde, hatte er Essen
für dich und deine Kinder gegeben, denn er hatte nur an sich gedacht?”
Lissy, antwortete: ”Wenn einer so grausam ist, dann müssen wir es doch nicht auch
sein! Oder wollt ihr euch ein Beispiel an ihm nehmen?”
“Vielleicht hast du ja Recht, das sollte Anton zum Nachdenken bringen!”
Sie liefen zum Baum und riefen: ”Anton was fehlt dir, warum wimmerst du?”
Er stöhnte:” Ich habe so schreckliche Bauchschmerzen, weil ich meine vielen Vorräte
auf einmal gegessen habe, ich wollte nicht dass sie mir verschimmeln!”
“Tja, Anton! Das kommt davon, wenn du nichts abgeben willst und nur an Dich
denkst!!”
Wieder hörten sie Anton wimmern: “Bitte, sammelt Kräuter für mich, damit ich
wieder gesund werde, sonst muss ich sterben!”
Alle Eichhörnchen lachten: “Anton, wenn du sterben würdest, hätten wir niemanden
mehr über den wir uns ärgern müssten! Oh je wäre uns langweilig.”
“Ja, ich weiß, dass ich einen großen Fehler gemacht habe, ich verspreche euch, mich
zu bessern! Als Erstes werde ich mich bei unserer Lissy entschuldigen und dann
feiern wir ein Versöhnungsfest.”
“Gut, einverstanden, aber werde erst mal wieder gesund!”, rief Lissy.
Gemeinsam suchten sie für Anton die besten Kräuter und er wurde wieder gesund.
Ab dem Tag wurde er wieder Eichhörnchen Anton gerufen, denn diesen Fehler hatte
er nie wiederholt. Und in den Wald zog für immer Frieden ein.
© Sissy Gross